Mehr Vielfalt schaffen

Der Supermarkt in Reichertshausen soll umziehen:
Geplant ist ein Neubau am Ortsrand

Reichertshausen (PK) Mehr Fläche, mehr Artikel, mehr Parkplätze: Das verspricht Edeka für den künftigen Supermarkt am Kammerer Berg. Der bisherige Markt in der Ortsmitte von Reichertshausen „entspricht nicht mehr den Anforderungen an einen modernen, zukunftsfähigen Markt“.

Noch nicht geklärt ist der Standort der künftigen Poststelle, die bisher im Getränkemarkt untergebracht ist. Im Herbst 2017 soll der neue Markt am Kammerer Berg eröffnen. – Foto: Steininger

So lautet die offizielle Aussage der Edeka Handelsgesellschaft Südbayern mbH in Gaimersheim. Damit einhergehe „eine größere und vielfältigere Sortimentsauswahl in angenehmer Einkaufsatmosphäre“. Die finden die Kunden dann auf einer Verkaufsfläche von 1200 Quadratmetern, hinzu kommt ein Getränkemarkt mit 300 Quadratmetern. Mehr Informationen waren von Edeka nicht zu erhalten. Auch zu Fragen nach dem voraussichtlichen Eröffnungstermin, einer Übernahme der bisherigen Mitarbeiter und der Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze wollte Edeka unter Hinweis auf die aktuelle Planungsphase keine näheren Auskünfte geben.

Offenbar genauer informiert ist Reichertshausens Bürgermeister Reinhard Heinrich (CSU). Seit einigen Jahren war der bisherige Markt mit seinen 800 Quadratmetern Verkaufsfläche bereits infrage gestellt, er sei nicht mehr zeitgemäß und wenig einladend, biete zu wenig Platz für das sich ständig erweiternde Warensortiment und auch zu wenig Raum für die Platzierung von Angeboten, weiß Heinrich aus seinen Gesprächen mit zuständigen Mitarbeitern der Edeka zu berichten. Aus diesen Gründen wäre der 2017/18 auslaufende Pachtvertrag seitens Edeka nicht verlängert worden. Daher liebäugelte Edeka bereits mit Hohenkammer als Standortalternative zu Reichertshausen. Aber das ist nun hinfällig, mittlerweile aber soll Rewe am Ortseingang von Hohenkammer ebenfalls einen Supermarkt planen.

Mit dem Gelände am Kammerer Berg, am Ortsende von Reichertshausen in Richtung München, bot sich aus Sicht der Edeka eine „1 a-Lage“ an, auf einem ansteigenden Gelände, von der B 13 aus gut sichtbar und mit Anbindung an den Verkehrskreisel. Für Reichertshausen aber „sind die Grundstücks-Optionsverträge alle unterschrieben, das ganze Vorhaben liegt in der Hand des Projektentwicklers Ratisbona, einem Regensburger Bauträgerspezialisten für Lebensmittelmärkte“, so die Information des Gemeindechefs. Das Änderungsverfahren für den Bebauungsplan werde im Sommer abgeschlossen sein, dann beginnen die Trassierung und Geländemodellierung. Vom Kreisel aus führt dann eine eigene Zufahrtsstraße zu den Parkflächen am neuen Supermarkt mit Anschlussmöglichkeit für die benachbarte Gewerbefläche mit über 3000 Quadratmetern. Deren Belegung steht derzeit noch offen, seitens der Gemeinde werden aber konkrete Auflagen gemacht, die störende Gewerbe mit Lärm, Staub, aber auch Diskotheken und ähnliche Nutzungen ausschließen.

Für den Spätherbst sei geplant, den Edeka-Markt in Betrieb zu nehmen, so lauten die Informationen des Gemeindechefs. Der Markt sei ein Vollsortimenter und als „Marktplatz“ konzipiert unter anderem mit viel Glasflächen und einer Cafeteria, die Einkaufsatmosphäre schaffen.

Laut unbestätigten Gerüchten könnte das Gebäude künftig eine preiswerte Einkaufsalternative beherbergen, was Gemeindechef Heinrich „sehr begrüßen und nach Möglichkeit auch unterstützen würde“. Eine derartige Entwicklung habe in vielen ähnlichen Fällen so stattgefunden, das sei auch für Reichertshausen nicht auszuschließen. Dann bliebe das Einkaufszentrum in der Ortsmitte fast wie bisher erhalten, mit Arztpraxis, Apotheke, Metzgerei, Poststelle und Discounter an einem Platz, zentral gelegen und auch zu Fuß erreichbar.

Über 90 Prozent der Kunden fahren mit ihrem Auto zum Einkaufen, zeigen Marktbeobachtungen. Für Bürger mit eingeschränkter Mobilität aber „wird der Bürgerbus den neuen Supermarkt am Kammerer Berg mit in den Fahrplan aufnehmen, eine Abstimmung mit den ehrenamtlichen Fahrern ist bereits erfolgt“, so Heinrich. Darüber hinaus werde ein neuer Geh- und Radweg von der Bahnunterführung bis zum Kreisel entlang der B 13 gebaut, der neben der Zufahrtsstraße zum Supermarkt fortgeführt wird.

Froh über den künftigen Markt zeigt sich auch Marktleiter Kai Krüger. „Durch die größere Verkaufsfläche und die Moderne des Marktes haben wir ganz andere Möglichkeiten, die Artikel zu präsentieren“, so Krüger. „In dem seit 1993 bestehenden Gebäude kann man weder die Vielfalt des Edeka-Sortiments darstellen, noch den Kundenwünschen gerecht werden“, weiß Krüger aus Erfahrung. Seinen Lieferservice für gehbehinderte und ältere Menschen werde er auch im neuen Markt beibehalten, verspricht der Marktleiter.

Ausdrücklich betonte Heinrich, dass er es als seine Aufgabe ansehe, „die Kaufkraft im Ort zu halten“. Reichertshausen sei ein Kleinzentrum, und ein solches benötige einen zeitgemäßen Lebensmittelmarkt mit einem Sortiment, das den Wünschen der Kunden besser entspreche. „Hätten wir Edeka den Kammerer Berg nicht angeboten, gäbe es nach 2017 auch keinen Supermarkt mehr im Ort“, so sein Fazit.

Von Hans Steininger